Wer sprechen kann der kann auch singen – 15 Gründe warum Eltern singen sollten

Singen gehört zur Entwicklung meiner Kinder wie die Luft zum Atmen. Nicht nur konsumieren wir Musik sondern machen sie. Das ist eines meiner Rezepte um meinen Kindern einen Sinn für Kultur zu sichern.

Zusammen singen gehört  für uns zum Alltag und fängt uns auch in schwierigen Situationen. Gerade mit drei Kindern und der Freiheit ohne jeglicher Verpflichtungen in den Tag hineinzuleben brauchen wir als Familie Rituale. Ein Geländer, an dem wir uns im alltäglichen Durcheinander festhalten können.

Viele Übergangssituationen fangen wir sehr oft mit Musik beziehungsweise dem Singen auf. Aber Singen und Musizieren wir einfach auch sehr viel, weil es uns unglaublich glücklich macht. Ich habe das Gefühl wir brauchen keinen Anlass zum Singen und so wie viele gerne mit ihren Kindern basteln mache ich gerne Musik mit ihnen. Natürlich wird auch gebastelt 🙂

Foto by helensview photography

Wir singen

Als Instrumentalpädagogin (Violine) bestimmt diese gemeinsame Fähigkeit sehr natürlich unseren Alltag.  Es ist sehr praktisch, denn ich habe kaum eine Hand frei mit meinem kleinen Vöglein von 2 Monaten und den zwei anderen Energiebündel (2 Jahre, 4 Jahre). Wir  erweitern gerne unser gemeinsames Liederarchiv aber gewisse Lieder begleiten uns jetzt schon seit Jahren. Sie geben den Buben Sicherheit und Wohlbefinden. Sie lachen, tanzen und singen. Das sind für mich richtige Glücksmomente.

CD Baby

Wir sind eine Musikerfamilie – mein Freund ist Komponist und Bratschist und ich wie erwähnt Geigerin. Das heißt ich singe mit den Kindern nicht nur alleine sondern es kommt sehr häufig vor, dass bei uns alle Musizieren. Jeder wie er kann und will.

Um diese Momente einzufangen haben wir gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Schwager (auch Musiker) für Weihnachten jetzt schon das zweite Mal eine Kinder-CD produziert. Musik wurde von meinem Freund sehr vielfältig arrangiert und instrumental wurde es eingespielt von Mama, Papa, Onkel und Tante. Integriert haben wir auch die Stimmen unserer Kinder.  Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr die Kinder dieses Weihnachtsgeschenk geliebt haben. Bin mal gespannt was wir heuer machen…Um einen Eindruck von diesem Erlebnis zu bekommen habe ich euch was auf SoundCloud geladen.

Musik der Atem unserer Zeit

Warum ich Singen als essentiell für uns alle empfinde möchte ich in den folgenden Zeilen zum Ausdruck bringen und vielleicht auch einen Anstoß geben sich aufzuraffen mit den Kindern von Anfang an zu singen. Es muss nicht kompliziert sein. Man beginnt mit einem Wiegenlied zum Einschlafen und integriert es in den Alltag und schon ist der erste Meilenstein geschafft.

Und keine Angst, denn jeder der sprechen kann kann auch singen. Und Kinder beurteilen das Singen der Eltern nicht, denn es ist für sie als ob man mit ihnen spricht. Man muss nur den eigenen Stolz überwinden. Vielleicht muss man auch die eigene Stimme kennen und dann lieben lernen.

Aber jetzt einiges Wissenswertes für EUCH :

Music is life

Das vorherrschende Klangerlebnis des Kindes im Mutterleib sind die unregelmäßigen, Darmgeräusche der Mutter. Sie können laut werden, bis 85 Dezibel (etwa wie starker Straßenverkehr), denn der Darm liegt direkt neben der Gebärmutter. Ganz regelmäßig und verlässlich dagegen klingt der mütterliche Herzschlag. Und diese Verlässlichkeit des mütterlichen Herzens, von der das ungeborene Kind ja vollständig abhängt, verbinden wir später mit Geborgenheit.

Musik, die uns Geborgenheit gibt, erinnert meistens an diesen durchgehenden Herzschlag. Daher Music is life that’s why our hearts have beats. Das Kind hört die Stimme der Mutter, wenn sie singt oder mit anderen Menschen spricht.Die Stimme der Mutter gelangt im Mutterleib über das Gewebe der Mutter direkt zum Kind. Und deshalb ist ihre Stimme später wahrscheinlich die einzige, die das Kind wahrnehmen kann, ohne ganz genau hinhören zu müssen.

Ihre Stimme kann Vertrautheit erzeugen. Nicht durch die Stimmlage oder den Klang – denn beide hören sich für das Kind im Bauch anders an als nach der Geburt –, aber durch den Rhythmus. (Vgl. GanzOhr.org :  Die Stimme der Mutter: http://www.ganzohr.org/website/die-stimme-der-mutter ; letzter Aufruf 30.08.2018 15:47)

„Bereits ab der 27. Schwangerschaftswoche reagieren Embryos auf bestimmte Melodien, die die Mutter immer wieder singt. Sie saugen am Daumen oder öffnen und schließen die Hände beziehungsweise ‚tanzen‘ mit den Füßchen gegen die Bauchdecke. Es gilt als sicher, dass das neugeborene Kind seine Mutter allein am Klang der Stimme wieder erkennt, die es so oft im ‚Klangraum‘ Mutterleib gehört hat.“ (Tomatis A.A.: Klangwelt Mutterleib, München 1996)

Das Gehör eines neugeborenen Kindes ist bei der Geburt noch nicht voll entwickelt; sein Nervensystem und sein inneres Ohr müssen erst noch ausreifen. Das Kind hört anders als die Erwachsenen: So kann es etwa sehr schnelle Tonfolgen noch nicht unterscheiden und hört auch etwas leiser. Auch sehr hohe oder tiefe Töne werden ganz zu Beginn noch nicht so gut wahrgenommen. Erst in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und in der Reifung des Nervensystems entwickelt sich das Hörsystem des Neugeborenen so weit, dass es später einmal so hören kann wie die Erwachsenen. Gefragt sind hier vor allem die Eltern, die mit dem Kind sprechen oder ihm etwas vorsingen. (Vgl. GanzOhr.org :   Was Hänschen nicht lernthttp://ganzohr.org/website/was-hänschen-nicht-lernt ; letzter Aufruf: 30.08.2018 15:38)

‚Mei du kleines Schatzi du‘

Mittlerweile gilt Ammensprache für altes Wissen, das in allen Kulturen bekannt ist. Intuitiv nehmen wir damit Rücksicht auf die noch nicht ganz ausgereiften Wahrnehmungsfähigkeiten des Kindes. Wenn wir  also vollkommen übertriebene Sprachmelodie in der Kindersprechweise haben, dann ist das auch schon wieder eine sehr musikalische Art und Weise, Kindern das Sprechen zu vermitteln.

Wenn du schreist ist das Musik in meinen Ohren

Im Schreien unserer Kinder schwingt viel mit vor allem Bedürfnisse und Emotionen. Meistens wollen wir, dass sie so schnell wie möglich wieder ruhig sind und würden im Traum dabei nicht an Musik denken.

Säuglinge können jedoch noch keine Sprachlaute erzeugen.  Aber sie können differenziert schreien. Sie verändern intuitiv ihre Schreimelodien und die Intensität ihres Schreiens. Ein Kind schreit anders, wenn es Schmerzen hat, als wenn es einfach „nur“ müde ist oder Nähe sucht. Das Schreien ist die früheste akustische Kommunikationsform eines Kindes, eine erste Vorstufe zum Sprechen und zur späteren Sprache.

Dabei gibt es im Babygeschrei klare musikalische Merkmale, betont Kathleen Wermke, die seit Jahrzehnten die frühe Sprachentwicklung von Kindern erforscht: „Es klingt vielleicht etwas seltsam, dass man Melodien im Säuglingsschreien hört, wenn man eigentlich am liebsten hätte, dass das Weinen aufhört. Aber wenn wir es uns akustisch anschauen, dann ist es schon ein Auf- und Absteigen von Tönen, so zu sagen ein Glissando.“ 

Die Schreimelodie des Säuglings bleibt auch nicht gleich, sondern verändert sich schon in den ersten Wochen nach einem bestimmten System: „Die Neugeborenen schreien vor allem mit einer einfachen auf- und absteigenden Melodie, aber dann werden daraus zum Beispiel Doppelbögen, Dreierbögen, und wir haben typische Tonintervalle, die wir ausmachen können, ähnlich wie in der Musik.“

Denn Hören und Schreien oder (später) Sprechen des Kindes sind eng aneinander gekoppelt. Nur wenn Babys ihre eigene Stimme hören und die Reaktion ihrer Umwelt darauf wahrnehmen können, lernen sie Laute und schließlich Wörter zu bilden. So sollte man das Schreien eines Babys vor allem als natürliche Stufe seiner lautsprachlichen Entwicklung auffassen, bevor es erste Gluckser oder Gurrlaute von sich gibt.

„Säuglinge unterscheiden noch nicht danach, ob Melodie und Rhythmus vom Sprechen oder vom Singen kommen. Wenn Eltern singen, dann ist das für das Kind sogar noch wirkungsvoller, als wenn sie vergleichsweise monoton sprechen, auch bei Eltern, die denken, dass sie unmusikalisch seien.“

(Vgl. GanzOhr.org :  Viel mehr als nur Lärm- Schreimelodien des Säuglings – http://www.ganzohr.org/website/viel-mehr-als-nur-lärm-schreimelodien-des-säuglings ; letzter Aufruf : 30.08.2018 um 15:31)

Singen gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten jedes Menschen und kann schon früh beigebracht und erworben werden. 

15 Gründe warum man mit Kindern singen sollte

  • Mediziner und Psychologen haben mittlerweile durch Studien belegt: Singen fördert das Wohlbefinden. Denn Singen vermittelt Gefühle viel unmittelbarer als Sprache. So konnten Psychologen zeigen: Der Stresshormonspiegel sinkt und bleibt auch deutlich länger auf einem niedrigen Niveau. Und zwar bei Eltern und Kind. Selbst Frühchen profitieren davon, wenn die Mutter singt. Allein vom Zuhören stabilisieren sich die Herz-und-Kreislauf-Funktionen der Kinder.
  • Singen kann Glückshormone produzieren, opiumähnliche Substanzen, die dieselben Areale im Gehirn stimulieren, als hätten wir Schokolade gegessen oder Sport getrieben. Außerdem wird beim Singen die Produktion von Melatonin kräftig angekurbelt – denn das braucht unser Körper für einen tiefen, gesunden Schlaf.
  • Kinder haben meist von Natur aus eine gesunde Singveranlagung. Wenn die aber nicht trainiert wird, verkümmern die Fähigkeiten. Wenn das Ohr gut funktioniert, funktioniert eine gesunde Singstimme besser. Trotzdem braucht das Kind, damit sich sein Gehör richtig entwickeln kann, unterschiedliche Höreindrücke. Erst so kann seine eigene Hörwelt entstehen.
  • „Kinder die viel singen, haben ein besseres Sprachgefühl“, meint der Neurologe und Musiker Prof. Dr. Eckart Altenmüller. „Beim Singen und Sprechen wird zum Teil auf die gleichen neuronalen Netzwerke zurückgegriffen.“
  • Unser hochkomplexes menschliches Nervensystem braucht  zwei Jahrzehnte Zeit, bis es sich – in ständiger Auseinandersetzung mit seiner Umwelt – voll entwickelt hat. Deshalb ist für Kinder die entsprechende Stimulation unersetzlich. Das bedeutet aber nun nicht Reizüberflutung durch Musik, Bilder, Filme etc. Vielmehr sollten Kinder den verschiedenen Sinnesreizen in bestimmten Episoden Zeit und Aufmerksamkeit widmen können.
  • Nur durch Hörerfahrung können Kinder ihre Wahrnehmung schärfen. Deshalb brauchen die Babys Menschen, die mit ihnen sprechen und singen.
  • An einfachen Liedern entwickelt das Kind die Fähigkeit, kleine Melodiestücke vorübergehend im Gedächtnis zu behalten. Diese Erinnerungsfähigkeit (die sich nicht nur auf Musik bezieht) reift innerhalb der ersten Monate aus und ist für das spätere Verstehen von Musik von großer Bedeutung.
  • Musik ist immer eine soziale Situation.
  • Musik ist für das Kind sehr interessant, weil sie deutliche Tonhöhenunterschiede hat, die auch vom Gehör eines Säuglings aufgenommen werden können. Es ist für das kindliche Ohr leichter zu entschlüsseln als etwa die Alltagssprache mit ihren schnellen, geringen Tonhöhenwechseln.
  • Eltern können Übergangssituationen auffangen, indem die ihr Kind mit kleinen Sprüchen oder Liedern zum Schlafen bringen und nach dem Aufwachen begrüßen. Abgesehen von der Nähe und Zuwendung, die das Kind spürt, können solche Rituale auch den Eltern helfen, den Tagesablauf einzuteilen und im Umgang mit dem Kind eine gewisse Selbstverständlichkeit zu entwickeln. Für Kinder seien gelebte Rituale, etwa gemeinsames Singen oder gemeinsames Essen (mit dem Säugling auf dem Arm oder im Kindersitz) wie Wurzeln, die die notwendige Sicherheit für eine Erkundung der Umwelt geben, so Jörg Baltzer.
  • Gerade Singen und Musizieren schon ab dem frühesten Alter sieht er dabei als gutes Gegengewicht zum vorherrschenden Individualisierungstrend: „Da kommt es nicht drauf an, wer als Erster am Ziel ist, es geht um den gemeinsamen Klang.“
  • Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther ist überzeugt: „Musik ist Krafttraining für Kinderhirne“ und bezeichnet Singen als „eine der wundervollsten Körperlernübungen. Denn dabei muss das kindliche Hirn die Stimmbänder so virtuos modulieren, dass haargenau der richtige Ton herauskommt.“
  • Kinder lernen mit Musik leichter sprechen – auch in mehreren Sprachen. Und noch etwas: sie erleben im Singen, dass es eine Vielfalt von Sprachen, Kulturen gibt – eine wichtige Erfahrung für die Kultur des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft.
  • Der Einstieg in die Musik geschieht primär über die Stimme, auch wenn dann andere Elemente wie z.B. Bewegung dazukommen.
  • Es stärkt das Selbstbewusstein, wenn ein Kind merkt, dass es ein Lied immer besser lernt.

(Vlg. GanzOhr.org :http://www.ganzohr.org/website/)

Foto by helensview photography

Kinder und ihre Sing- und Hörfähigkeiten

Säuglinge unter einem halben Jahr können bereits kurze verschiedenartige Melodien unterscheiden. Mit ungefähr dem 2. Geburtstag vollzieht sich der Wandel vom Säuglingsalter zu Kleinkind und damit verfeinert sich auch die musikalische Wahrnehmungsfähigkeit. Von den musikalischen Erfahrungen, die die Kleinkinder bis dahin gesammelt haben hängt es ab, ob diese Kinder mit 2 Jahren Melodien singen können oder nicht. Ab etwa drei Jahren beginnen Kinder, einfache Lieder ganz oder teilweise wiederzugeben. Dabei haben sie Spaß mit der Stimme. Sie hängen verschiedenste Liedteile aneinander, verbinden diese mit Eigenerfindungen, das Kind probiert dabei Stimm-, Text- und Rhythmusvarianten aus.

Du möchtest singen aber weißt nicht wie du anfangen sollst?

Meine persönliche Empfehlung

Die erste Voraussetzung für das Singen mit Kindern ist der gesunde, ungezwungene Umgang mit der eigenen Sing- und Sprechstimme. Eine Projekt, welches ich jedem nur ans Herz legen kann ist das LIEDERPROJEKT.

Es bietet Texte, Noten und Liedeinspielungen zum Singen an, qualitätsbewusst und kindgerecht aufgearbeitet. Ziel ist es, das Singen wieder in der Gesellschaft zu verankern, mit stilistisch vielfältigen Angeboten auf CDs, in Liederbüchern, im Radio und im Internet, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß machen.

Das LIEDERPROJEKT ist ein Benefizprojekt für das Singen mit Kindern. Gegründet wurde es im Jahr 2009 auf Initiative von Cornelius Hauptmann. Mittlerweile haben sich über 100 herausragende Sängerinnen und Sänger, Vokalensembles, Chöre, Instrumentalisten und über 300 Kinder im LIEDERPROJEKT engagiert. In Studios in ganz Deutschland haben sie die schönsten Kinderlieder, Wiegenlieder, Volkslieder und Weihnachtslieder exklusiv für das Projekt gagenfrei (!!!) eingespielt. Auf www.liederprojekt.org bietet das LIEDERPROJEKT ein umfangreiches, kostenloses Liedarchiv an.

Und wer sich für ganz tolle Artikel rund ums Singen mit Kindern interessiert, dem kann ich nur die Website: http://www.ganzohr.org/website/ empfehlen. Daraus habe ich viele Informationen entnommen.  Die nicht-kommerzielle Initiative möchte jungen Eltern und Erziehern das Singen und Musizieren mit Kindern näher bringen und erläutert in vielfältiger Form die positiven Auswirkungen für die Entwicklung der Kleinen.

Es gibt Räume in der Seele, die nur mit Musik beleuchtet werden können.

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